« Open Letter to London School of Economics "German Symposium" | Main | "Doctor" Karl-Theodor zu Guttenberg »

February 13, 2011

Comments

Strahler 70

"Meines Erachtens hat die Kirche weder Ja noch Nein zu sagen, sondern ausschließlich Amen." Konrad Adenauer

Religionen werden akzeptiert, solange sie der Macht des Staates nicht widersprechen. Stellen sie sich in Widerspruch zur staatlichen Ordnung, indem sich ihre Anhänger anderen Gesetzen verpflichten, sich nur den eigenen Hierarchien unterwerfen oder, schlimmer noch, mangels eigener Hierarchie als nebulöse Instanz kaum greifbar sind, offenbart sich die Staatsmacht fast gesetzmäßig als Angstbeißer. Solche Religionen werden dann oft dämonisiert, als bizarre Sekten denunziert, von Spitzeln unterwandert und der Repression unterworfen.

Paradebeispiel dafür ist die Falun Gong in China, welche weder über Mitgliederlisten noch Führungspersönlichkeiten oder Hierarchien verfügt, deren Anhängerschaft aber die der KPCh übertrifft und deshalb konsequent als staatsfeindliche und konspirative Sekte gebrandmarkt und verfolgt wird.

Generell kann man sagen, daß Staaten dabei nicht eben zimperlich in der Auswahl ihrer Mittel sind, übelste haarsträubende Verleumdungen und Mutmaßungen schaffen schnell die Bedingungen für Sanktion und Repression. In Deutschland kommt dann schnell noch der diffuse Straftatbestand der Geheimbündelei hinzu.

Das Leben der Menschen soll in Bahnen verlaufen, die der Staat kontrollieren kann. Parallelgesellschaften und Subkulturen widersprechen dieser Regel genauso wie eine unorganisierte außerparlamentarische Opposition.

Dadurch entsteht leicht eine Wagenburgmentalität - auf beiden Seiten schärfen sich Profil und Abgrenzung. Letztendlich geht es aber nicht mehr um Glaubensfragen, auch nicht um Geld, sondern um Macht über die Menschen. Man wird es den Menschen nicht austreiben können, an Götter zu glauben, oder an UFOs, Parapsychologie, Esotherik oder eben solchen aufgebauschten SciFi-Mumpitz à la Scientology. Scientology praktiziert ja eigentlich nur im Extrem, was unsere westlichen Demokratien vorleben: Geld ist unser Gott, unser Seelenheil liegt im Konsum-Faschismus, für das wir allerdings ein Monopol reklamieren.

Wer will sagen, was besser ist: Dem Staat blind und gedankenlos zu folgen oder sich bewußt für dessen Konkurrenz zu entscheiden?

In vielen Fällen beruhen die Normen und Maßgaben der Staaten auf Heuchelei und Lügen, insbesondere wenn es um körperliche und geistige Gesundheit geht wie bei Alkohol, Drogen und Glücksspiel, aber auch bei Fragen des politischen Machterhaltes in der Innen- und besonders in der Außenpolitik.

Scientology und Falun Gong haben nichts gemeinsam, außer daß sie sehr konsequent im Gegensatz zur staatlich Gesellschaftsordnung stehen. Beide können fragen, "was tun wir, was der Staat nicht in viel schlimmerer, ja perverserer Form praktiziert?"

Womit ich keineswegs Scientology verteidigen will...

Hattie

Scientology is a racket, not a religion.

emiliano

Falun Dafa ist einer von unzähligen Kulten des chinesischen Volksaberglaubens. Verboten wurde er, weil er zur Gefahr für die Mitglieder wurde. Wenn der esoterische Führer den Selbstmord befehlen kann gehen selbst in den USA (Charles Manson) die Warnlichter an.

Nur arbeitet Falun Dafa mit reichen Industriellen in Nordamerika und den US-Staatsfaschisten zusammen und verfügt daher über exzellente Propagandamittel. Es ist wie die in ihrer Heimat sehr respektierten Scientology und die Evangelikalen eine weitere rechtsextreme Zombiearmee, mit denen die USA die Welt vergiften. Man könnte es so sehen, dass immer die schlimmsten Spinner in vollem Einklang mit den offiziellen USA stehen.

Den tollen Bericht über Scientology finde ich langweilig, das ist doch alles längst bekannt gewesen. Scientology sind mit ihrer schamlosen Geldrafferei und faden, puritanischen Lehre ein zu durchsichtiger US-Export. Vielleicht wird da deshalb mal etwas Kritik publiziert, von den Evanglikalen müssen die Kommerzmedien ja scheinbar völlig schweigen. Konkrete Nennungen von Namen, Firmen, Verbindungen findet auch bei Scientology nicht statt, es ist nur eine "human interest" Geschichte.

Der selbe "investigative" Autor hat ja auch ein ganz tolles islamophobes 9/11-Buch geschrieben, das 100% auf Regimelinie die von den USA ausgehenden Kriege legitimiert.

David

"Nur arbeitet Falun Dafa mit reichen Industriellen in Nordamerika und den US-Staatsfaschisten zusammen und verfügt daher über exzellente Propagandamittel"

Wer sind die US-Staatsfaschisten? Beweise?

James

You might find this interesting:

http://www.chicagobreakingnews.com/news/local/chibrknews-farrakhan-mideast-uprisings-will-come-to-us-20110227,0,1665375.story

John in Michigan, USA

I have a vegetarian neighbor who has organized essentially his own personal religion, called Church of Light and...something, I can't remember. Seriously. It is not based on Christianity or any other familar religion, indeed, it has no defined credo or dogma. He married his sister (I know what you're thinking, but no, he officiated at his sister's wedding; the groom is a great guy who loves wooden boat restoration and helps out with his wife's animal rescue; they had a German exchange student a couple of years ago) and that was enough for the state to recognize the marriage and issue a license.

As an American, naturally I am very reluctant to have the government involved in deciding which religions are real or legitimate. Since we already have a well-defined (and quite low) threshold for granting tax-exemption for secular non-profits, we use basically the same criteria to decide about religions.

But, a different tradition exists in Germany, and I'm curious how one decides, in these marginal cases, which religions should be recognized.

I agree that Scientology is a cult, but that was true of the LDS Church ("Mormon"), at least in the early days. Yet, the LDS Church is recognized in Germany (as far as I can tell?)

So, what is the difference?

According to http://newsroom.lds.org/country/germany "The first congregation of Latter-day Saints was organized in Darmstadt in 1843" Is it just a matter of time?

Being rejected by the mainstream is a recurring theme in the foundational texts of many widely recognized religions. I suppose one could argue most major religions started out as dissident cults.

To what extent should the German debate be influenced by the fact that some other nations, including France and Italy, recognize Scientology? Would it make more sense to address this question on a Europe-wide basis, rather than country-by-country?

Would it matter if the cult was more of a personal/ideological cult and less about money? I think a strong argument can be made that Stalinism (as distinct from Marxism) is a personality cult. Could it be banned?

Here, I am not trying to argue anyone out of their positions, rather, I am trying to understand how Germans approach this fascinating question.

I highly recommend the New Yorker article, The Apostate.

Verify your Comment

Previewing your Comment

This is only a preview. Your comment has not yet been posted.

Working...
Your comment could not be posted. Error type:
Your comment has been posted. Post another comment

The letters and numbers you entered did not match the image. Please try again.

As a final step before posting your comment, enter the letters and numbers you see in the image below. This prevents automated programs from posting comments.

Having trouble reading this image? View an alternate.

Working...

Post a comment

Your Information

(Name and email address are required. Email address will not be displayed with the comment.)

My Photo

Information

  • Recent Tweets
Blog powered by Typepad